Rinderzucht auf dem Arche-Hof

Unsere Rasse des Roten Höhenviehs ist generell für ihre Robustheit (sprich sehr hohen Gesundheitsstatus), leichte Geburten und sehr gute Mutterinstinkte bekannt. Das Fleisch unseres ersten geschlachteten Ochsen wurde von Köchen aus Fulda als einzigartig in Konsistenz und Geschmack bezeichnet. Unser Züchterkollege (von dem wir die Zuchtbullen bekommen) nimmt an einer wissenschaftlichen Untersuchung der Uni Gießen Teil und die Zwischenergebnisse seiner Tiere sind bereits herausragend.

Unsere Tiere haben das ganze Jahr freien Weidezugang und bekommen ausschließlich Raufutter (auch im Winter nur Heu oder Klee-Grass-Silage von unseren Flächen) und somit keinerlei Kraftfutter. Die Aufzucht im Familienverbund ist auch für mich als Landwirt einfach täglich nur pure Freude. Denn Rinder sind soziale Lebewesen, die täglich ihre Mutter-Kind-Beziehung und Freundschaften pflegen. Es ist einfach immer witzig zu sehen, wie Freundinnen miteinander umgehen, oder zu wissen, wer gleich ein wenig Ärger von einem ranghöheren Tier bekommt, weil er oder sie zu frech war 😛 Wir hoffen auf baldige Hoftage, wo ich das bei Führungen zeigen kann.

Unsere Anfänge in 2018 & 2019

In 2018 & 2019 waren alle Kühe tragend, haben leicht abgekalbt und gesunden Nachwuchs großgezogen. Unsere Zuchtbullen waren extrem ruhig und problemlos zu handhaben. Kurz: Es war einfach eine Freude! J

Das Jahr 2020: Bergab & Rückwärts, aber es läuft!

In Bezug auf unsere Rinderzucht ist auch so einiges schief gegangen. Im Frühjahr ist eine Kuh nach der Geburt – trotz Notoperation – gestorben an einem Gebärmuttervorfall. Wenige Tage später hat Olga ihr Kälbchen bekommen. Die Geburt verlief gut, allerdings kam aus Olgas prall gefülltem Euter keine Milch heraus. Auch zwei Tierärzte konnten keine Diagnose anstellen oder Abhilfe schaffen. Das Ergebnis waren zwei Kälbchen die beide einen miserablen Lebensstart hatten. Die ersten Wochen musste ich sie mit der Flasche großziehen, was bedeutete mindestens drei Mal täglich beide zu füttern. Was gar nicht so leicht ist, wenn die Kleinen nicht wollen. Zudem wurden beide Kälbchen auch noch krank in der ersten Woche. Als es beiden etwas besser ging, hat sich Anna als Amme für die beiden Kälbchen angenommen. Sie hat somit mit ihrem eigenen Kälbchen gleich drei Kälber versorgt und dabei stets noch selbst eine gute Figur gemacht. Die Tierärzte wollten das im Herbst bei der jährlichen Blutabnahme gar nicht glauben. Da sieht man Mal wieder, was eine robuste Rasse wie unser Rotes Höhenvieh so alles drauf hat J

Im Juni kam dann ein Zuchtbulle, der vom Züchterkollegen schon bei etlichen anderen Züchtern einen wunderbaren Job gemacht hat und zwei Jahre zuvor sogar schon einmal auf unserer Weide stand. Aus irgendeinem Grund hat er diesmal bei uns nach wenigen Tagen durchgedreht, weshalb er schnellstmöglich wieder vom Eigentümer abgeholt werden musste. Denn ein Zuchtbulle mit über 800kg Kampfgewicht ist einfach kein Spaß.

Problem 1: Züchter von alten Rassen sind häufig Hobbyhalter oder kleine bäuerliche Nebenerwerbsbetriebe. Unser Züchterkollege Jürgen Martin hat uns von Anfang an wahnsinnig unterstützt! Da wir kein Transportanhänger für Rinder haben, freuen wir uns auch riesig über seinen „Liefer“-Service, sprich wir bekommen den Zuchtbullen auf die Weide gestellt und wieder abgeholt. Als Gegenleistung gibt´s übrigens kein Bares, sondern eine Einladung zum Grillen.

Normalerweise bleibt ein Zuchtbulle drei Monate bei den Kühen, damit er drei Zyklen Zeit hat sie zu decken. Schließlich kann es ja Mal sein, dass der Bulle und die Kühe sich nicht sofort sympathisch sind und ein wenig Zeit brauchen sich zu beschnuppern 😉

Doof war in 2020, dass ich erst zwei Tage nach der „Lieferung“ des Bullen Zeit hatte, Olga von der Weide zu bringen, damit sie mit ihrem kaputten Euter nicht gedeckt wird. Allerdings dachte ich mir, bei in Regel drei Monaten (also 90 Tagen), die ein Zuchtbulle auf der Weide bleibt, was soll da schon (in zwei Tagen) passieren? Nun gut, dadurch dass der Zuchtbulle mich nicht auf die Weide gelassen hat, wurden aus zwei Tagen nun eine Woche. Und in dieser Woche hat der ausgerechnet Olga gedeckt! Echt jetzt? Und sonst nur Olivia. Spannend finde ich an dieser Stelle anzumerken, dass Olga und Olivia Mutter und Tochter sind, deren Zyklen offensichtlich aufeinander abgestimmt sind.

Zudem hat sich der „Ersatz-Zuchtbulle“ einen Tag vor dem Wechsel auf unsere Weide das Bein gebrochen und somit (da nun Zuchtuntauglich) sein eigenes Todesurteil gesprochen.  Einziger Trost war, dass die beiden Mutterkühe, die wir im Frühjahr gekauft hatten, bereits gedeckt waren, als sie zu uns kamen. Jedoch hatte eine davon im Herbst 2020 eine Fehlgeburt.

Laut unserer Tierärztin müsste man Gebärmuttervorfall, Fehlgeburt, etc. als Pech betrachten. Denn irgendwie habe ich schon Zwischendurch Zweifel gehabt, ob so viel Pech echt Zufall sein kann oder nicht irgendwelche Managementfehler.

Das Jahr 2021: Juhu – Das Jahr 2020 ist vorbei!

Im Februar des Jahres ist Hannibal zur Welt gekommen. Ohne Zutun, wieder ein echtes Prachtexemplar von Heidrun, wie ihr letztjähriges Kalb wunderbar für die Zucht geeignet 😀

Anfang April ist zunächst Olé – als erste Kälbchen von Olivia – zur Welt gekommen: Leichte Geburt, Olivia und Olé sind schnell auf den Beinen gewesen. Er ist ein echter Wirbelwind, daher der Name Olé J

Ein paar Tage später war es dann so weit, Olga – die Kuh, die Keine Milch geben kann – hat ihren Olaf bekommen. Die Geburt verlief reibungslos. Ich habe Olaf sofort Biestmilch gegeben, die er gierig aufzog. Vielen Dank an die Fam. Hügel aus Edelzell, von der ich die Biestmilch Anfang März bekommen habe. Eingefroren hat sie dann auf ihren großen Einsatz gewartet.

Nach dem ersten Tränken ist Olaf in ein Abteil mit seiner Halbschwester Olivia und Olé gekommen. Einfach nur herrlich. Wenn es läuft, dann läuft´s! Olaf wurde sofort von Olivia angenommen und er hat direkt losgelegt mit dem Saufen. Olaf und Olé entwickeln sich einfach toll und werden von Olivia wie Zwillinge großgezogen.

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